… und das Licht schien intensiver

Es gibt so Jahre, in denen Kunst erst richtig zeigen kann, wozu sie fähig ist. Souverän lächelnd
stellt sie sich auch Viren, Ängsten und Sorgen, denn es sind die besondere Herausforderung, die
ihre Kraft und Größe erst richtig zur Geltung bringen.

Wir hatten Glück, denn unsere Kunstwochen im Naturpark Pöllauer Tal starteten unmittelbar
nachdem der Lockdown aufgehoben worden war. Nach langem Bangen, ob Styrian Summer Art in
seinem 15. Bestehensjahr überhaupt würde stattfinden können, war unsere überschäumende
Freude nicht mehr zu bremsen. Den zahlreichen Künstler*innen, die entweder zum wiederholten,
oder auch zum ersten Mal ihre Workshops anboten, schien es ebenso zu ergehen. Die Gier nach
Kunst schien sich während des Lockdowns unkontrollierbar ausgebreitet zu haben.
Wunderschön zu bemerken war es, dass sich trotz Abstandhaltens, Maskenpflicht und eines
latenten Grusels vor eventueller Virusverbreitung oder gar Clusterbildung, weder Herzlichkeit noch
Hingabe verflüchtigt hatten – im Gegenteil. Durch alle Räume wehte Fröhlichkeit wie eine sanfte
Sommerbrise. Das Licht schien noch intensiver auf die zarten Blütenillustrationen von Alois
Wilflings Schützlingen zu fallen. Die begeisterten Ölmaler*innen, die mit Julia Bauernfeind in der
Ölmühle Fandler tagten, schienen ihr Kreativpotential zu neuen Höhenflügen starten zu lassen.

Das ehrwürdige Refektorium im Schloss Pöllau, in dem Vereinsmitbegründerin und
Ausnahmekünstlerin Eftichia Schlamadinger Farbexplosionen in Acryl anleitete, bot auch im
Krisenjahr die vertraut bombastische Kulisse.
Wie vielseitig ein Raum für die Entstehung von Kunst sein kann, bewies ebendieses Refektorium
eine Woche später, als sich in ihm literarisch versierte Poet*innen und Wortkünstler*innen
versammelten, um vom musikaffinen Schriftsteller Semier Insayif zu lernen. Der entführte seine
kreative Gruppe dann auch ganz entspannt in den Schlosspark, wo sich Texte naturnah entfalten
durften.

Wer dort neugierig umher schlich, um den Kreativen über die Schulter zu schauen, stieß
aber auch auf andere Impressarios: Der multitalentierte Bildhauer Martin Gollowitsch instruierte
in einer anderen Ecke dieser herrlichen Parklandschaft seine, mit Motorsägen und
Schnitzwerkzeugen ausgestatteten, Schützlinge in der Erschaffung von Holzskulpturen –
beeindruckend ist hier der passende Ausdruck.

Auch im Jufa fand derweil kreatives Handwerk Raum: Barbara Schmid gab ihren begeisterten
Tonkünstler*innen nicht nur wertvolle Profitipps mit auf den Weg, sondern schenkte ihnen in ihrer
humor- und liebevollen Art auch ein Sammelsurium an Inspirationen und Einfällen zur freien
Verfügung. Dass Nähen eine Kunstform sein kann, die sich wunderbar mit philosophischästhetischen
Ansätzen verbinden lässt, bewiesen die traumhaften Werke der Damen um Bettina
Halder und Sylivia Bausch-Rassi, die ebenfalls im Schloss Pöllau entstanden.

Mit der dritten und letzten Woche von Styrian Summer Art wurden schließlich sämtliche
Kapazitäten restlos ausgeschöpft – räumlicher, wie auch künstlerischer und organisatorischer Art.
Während Adele Radzkövi in den lichten Gängen der oberen Arkaden ihre Zeichenschüler*innen in
der hohen Kunst des Portraitzeichnens und später auch des figuralen Zeichnens unterwies, ging
es im Refektorium darunter wieder hoch und vor allem bunt her, denn auch in diesem Jahr
pilgerten die „Fans“ von Helga Piffl zu ihrem Workshop für Arcrylmalerei. Enorm aufwändig und
mit maximaler Motivation ausgestattet, kreierten coole Ladies unter der Leitung von Helga
Chibiziura eindrucksvolle Hingucker im Siebdruckverfahren, um die sie nun bestimmt vielfach
beneidet werden.

Federführend im wahrsten Sinne des Wortes war auch in diesem Jahr wieder Claudia Dzengel.
Ihr Workshop in Spitzfederkalligraphie lockte manuell begabte Schreiber*innen das herrliche
Refektorium des Schlosses Pöllau. Parallel dazu fand die Kunst des Improvisationstheaters im
wunderbaren Freskensaa statt. Alice Mortsch schaffte es einmal mehr, ihre
Schauspielschüler*innen perfekt in Szene zu setzen. Dazu wurde außerdem viel gelacht, was das
ohnehin bereits herrschende Wohlfühlklima noch anheizte.
Der fürstliche Erkersaal schuf ein inspirierendes Ambiente für Enrico Jacobs Literaturwerkstatt.
Hier entstand Spannendes, Aktuelles und Fantasievolles in konspirativer Gruppenarbeit. Ihre
Werkstatt im pittoresken Eigenheim in Pöllau stellte Töpfereikünstlerin Sigrid Hofbauer ihren
Anhängerinnen zur Verfügung. Das liebevolle „Privatissimum“ fand begeisterten Anklang.

Quirlig, temperamentvoll und höchst talentiert zeigten sich auch im Krisenjahr die jungen Stars, die
im Jufa ihr Können zum Besten gaben. Schauspielerei stand auf dem Programm von Brugner &
Hütter und fand ihren Höhepunkt in einer ausgesprochen gut besuchten Aufführung im Freien.
Auch die originellen Exponate in Ton, die unter der Leitung von Barbara Schmid erschaffen
wurden, konnten für Verwandte und Fans offen zugänglich gemacht werden. Dass es der Regen
gut mit dem Naturpark meinte, tat der Begeisterung von Kunstschaffenden und Publikum keinerlei
Abbruch. Beeindruckend waren auch die Ölbilder, die Kinder und Jugendliche unter der
Schirmherrschaft von Julia Bauernfeind präsentierten.

In diesem Sinne möchten wir uns ganz besonders herzlich bei den uns stets hilfreich zur Seite
stehenden Damen und Herren des Jufa Pöllau, der Ölmühle Fandler, des Tourismusbüros
Naturpark Pöllauer Tal und der Gemeinde Pöllau bedanken. Ein großes Kompliment geht
natürlich auch an die gute Küche der Gasthäuser und Restaurants in Pöllau, allen voran an den
Schlosswirt Schmitz und die wunderbaren Gasthöfe Stelzer-Hubmann, Ritter, Haider und das
Parkcafé im Schlosspark.