Alice Mortsch löst sich auf

In ihrem Soloprogramm stellt sich Alice Mortsch Fragen, die sie schon immer für sich beantwortet haben wollte. Wen fragt man, wenn man gerne Wünsche erfüllt hätte?
Zugegeben, zu diesem Thema gibt es verschiedene Ansätze. Vom Brief ans Christkind bis zum Bestellen beim Universum, vom Social Media Post bis zum Preisausschreiben schwurbeln unbefriedigte Wünsche in den weitläufigen Netzten des virtuellen und vermutlich auch des morphogenetischen Feldes herum.

Alice kennt das.
Sie kommt schließlich aus dem Wunderland. Im Wunderland ist es umgekehrt. Da gibt es Felder voller Lösungen. Erfüllte Wünsche stehen in Hainen voller Windharfen in der Landschaft. Äolische Klänge, einem Tinnitus gleich, bringen die Fibrillen der Hörmuschel zum Brausen. Tonspuren treiben Wellen in den Sand, Decrescendo im Rückzug, Fortissimo im Anprall.

Zuhause in Alice´s Zentralnervensystem sind Generationen von Vorfahren bereit, ihrem unmissverständlichen Aufdruck Ausdruck zu verleihen. Deshalb hat sich Alice eine Vorgehensweise zurechtgelegt, die es ihr ermöglicht, der Sinfonie in ihrem Inneren Gehör zu verleihen. Sie imaginiert einfach den Brunnen aus dem sie Antworten schöpfen darf. Die Quelle, die diesen Brunnen speist, ist die Musik. Musik weiß immer eine Antwort, solange du die richtigen Fragen stellst.

Alice hätte gerne Schüler. Sie hat nämlich erlebenswerte Inhalte weiterzugeben. Die könnten vielen helfen. Schauspieler sind die Ersten, die ihr einfallen, denn auf der Bühne ist sie daheim. Auch so mit Füßen auf dem Tisch, wenn´s der Moment erlaubt. Ganz entspannt Eigenheiten darstellen eben, ob sie dich auf der Couch anspringen, quer über den Schreibtisch lümmeln oder eben in opulenter Kostümierung vor den Vorhang treten. Deine Show ist, wo du sie gern hättest.

Alice hätte gerne Freunde. Alice hat natürlich Freunde und die sind die Besten, die sie sich wünschen kann. Aber Alice hätte gern noch mehr Freunde. In Zeiten wie diesen ist das mit den Freunden und dem gemeinsamen Feiern aber un. Un ist das Gegenteil von in. Un steht zum Beispiel vor -erlaubt, -erwünscht, -verantwortlich. Im Wunderland, wo die Neue Normalität schon die Alte Tradition bekichert hat, laufen Freunde einfach frei herum. Sie sind genau genommen überall. Alice laufen sie immer dann zu, wenn sich ihr herzerwärmendes Lächeln mal wieder selbstständig gemacht hat. Das ist nämlich auch ein Windhund, wenn´s um Loslassen geht.

Alice hätte gern eine eigene Band. Na gut, wer hätte die nicht gern? Aber wer eine Band „haben“ will, muss Frontmann/frau sein. Alice ist das zum Glück. Dann fehlt ihr also nur noch der Rest der Band. Nun kann Alice sich entscheiden: Will sie breite Streicher, volltönende Bläser und bombastische Orgeln oder gelüstet es sie eher nach fetten Bässen, voluminösen Percussionen und eingängigen Harmonien als Mantel? Oder reicht Alice einfach ihre Ukulele, um ihre Botschaft klarzulegen?

Wir könnten hier noch stundenlang mutmaßen, aber g´scheiter wär´s, wir schauen uns das alle einfach an - under mask oder on stream.

Naturarena Grosssteinbach 10.9.2020 20:30h

Alice Mortsch und Enrico Jakob unterrichten auch bei Styrian Summer Art im Oktober:
http://www.styriansummerart.at/kurse/schauspielen-und-schreiben-faecheruebergreifendes-geschichtenerzaehlen-mit-alice-mortsch-und-enrico-jakob/